LABBÉ Verlag
LaBlog - Die Ideenfabrik von Labbé

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Labbé stellt sich vor

Labbé, wer oder was steht dahinter – ist das nur eine Marke, nur eine Namenskonstruktion? Wer aus Köln kommt, weiß, dass dies nicht der Fall ist. Ältere Kunden können sich noch an meine Eltern hinter der Theke erinnern, vielleicht hat der ein oder andere auch meinen Großvater noch in der Werkstatt erlebt.

Labbé Laden Koeln

Im Februar 1958 eröffneten meine Eltern einen kleinen Bastelladen, der sich auf das bildnerische Gestalten in Schule und Kindergarten spezialisierte. Meine Mutter brachte das unternehmerische Geschick mit. Außerdem hatte sie zuvor einige Zeit in einem Kinderheim gearbeitet - eine Zeit, die sie sehr geprägt hat. Mein Vater - aus einer Künstlerfamilie stammend - brachte Kreativität und Phantasie mit.

Schaufenster Labbé Koeln

Bei uns zu Hause wurde prinzipiell alles selbst gemacht: Möbel, Kleider, einfach alles. Anfangs geschah dies aus einer Notwendigkeit, denn in der Nachkriegszeit fehlte vieles. Mit der Zeit wurde es jedoch zu einer Art “Marotte”. Mein Vater hatte nämlich ein Idol: Robinson Crusoe, der einsame Mann, der alles selber macht und auf Grund seines Organisationstalent und seiner Kreativität auf einer einsamen Insel überlebt.

Labbé Kinderbastelladen Koeln

Rückblickend scheint alles unwirklich und unglaublich. Wir lebten auf einem einsamen Hof in einer Art Niemandsland. Mein Vater baute 1955 eine Windturbine, die Tag und Nacht auf unserem Dach schnurrte und Strom erzeugte, denn wir waren damals nicht am allgemeinen Stromnetz angeschlossen. Mit so etwas wollte Mr. Robinson Crusoe nichts zu tun haben. Stattdessen wurde der Strom in einer alten Autobatterie gespeichert und bei gutem Wind hatten wir helles, elektrisches Licht in der Küche und wenn der Wind stark wehte, konnten wir auch Radio hören. Neben der Windmühle stand eine mit Glas abgedeckte schwarze Kiste voller Kupferrohre: ein Sonnenkollektor, der Stolz der Familie, der uns im Sommer mit warmem Badewasser versorgte. Es wurden Kartoffeln angebaut und jeden Tag gab es Jogurt aus frisch gemolkener Ziegenmilch.

Wir Kinder hatten eine wilde, aber friedvolle Kindheit. Vieles änderte sich, als wir aus der “Prärie” in die große Stadt Köln zogen. Doch in dem kleinen Bastelladen konnten wir weiterhin unsere Träumereien vom eigenständigen Leben und vom “Alles-Selbermachen” verwirklichen.

Ende der 60er Jahre sammelte sich die Avantgarde der “Neuen Selbermacher” in St. Francisco um das Projekt “Whole Earth Catalog”. Das war eine Art Versandhauskatalog voller neuer Ideen und Tipps, die die genialen Herausgeber schlicht als “Tools” - also als nützliche Werkzeuge, bezeichneten. Dazu zählten beispielsweise das “Handbuch der Schafszucht” oder das “Energiekrisen-Überlebens-Set”. Im Katalog konnte man auch Anleitungen finden, wie man webt, Fenster anstreicht, Dinge auswendig lernt, sich gegen Angriffe hungriger Hunde verteidigt oder wie man Tipis und Iglus baut. Schnell wurde der Katalog zum Kultbuch einer ganzen Generation.

Whole earth catalog

In diesem kreativen Pool entwickelte sich gleichzeitig die Vision von “access to tools”, also vom Zugang zu nützlichen Werkzeugen – und dieser Zugang sollte für Jedermann frei sein, denn “information must be free” [Marshall McLuhan]. Steve Jobs, der Gründer von Apple, bezeichnete den “Whole Earth Catalog” als Vorläufer des World Wide Web. Die langhaarigen Whole-Earth-Hippies erfanden den PC, bauten die ersten Online-Communities und waren die eigentlichen Vordenker der vernetzten Gesellschaft.

In dieser Zeit entstand bei uns die Idee, auch Kindern einen freien Zugang zu Informationen zu verschaffen und ihnen das Vertrauen in die eigene Kraft zu geben. Doch erst mit dem Aufkommen des Internets konnten wir diese Idee mit unseren Webseiten verwirklichen. 2009 erhielten wir hierfür den Grimme Online Award.

Labbé Kinderbastelladen Koeln

Die “Neuen Selbermacher” hinterließen ihre Spuren in unserem kleinen Bastelladen. Wir suchten nach Wegen, wie wir Verantwortung für die Umwelt in unsere Unternehmensziele integrieren konnten. Ich kann mich heute noch an das schallende Gelächter eines Bleistiftlieferanten erinnern, als wir Ende der 70er als erste deutsches Unternehmen mit unlackierten Blei- und Buntstiften auf den Markt kamen. 15 Jahre später waren ca. 40% aller Holzstifte in Deutschland roh, also unlackiert.

Der erste unlackierte Bleistift von Labbé

Gleichzeitig führten wir, ebenfalls als eines der ersten Unternehmen Recycling-Papier ein. Der Begriff “Recycling” war damals im deutschen Sprachgebrauch noch vollkommen unbekannt. Wir nannten unser Papier UWS-Papier, Umweltschutzpapier. Damals regte wir uns auf: Deutsche Papierfabriken stießen jährlich 12 Millionen Tonnen Papier aus. Dafür mussten täglich über 200.000 Bäume abgeholzt werden, was einer Fläche von 300 Fußballfeldern entspricht.

Darüber hinaus ließen wir sämtliche Produkte, die wir im Programm führten, von dem unabhängigen Kölner KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung auf ihre Umweltverträglichkeit untersuchen.

Labbé Kinderbastelladen Koeln

Langsam wurde unser kleiner Bastelladen bekannt und zu einem beliebten Treffpunkt von Lehrern, Erzieherinnen, Sozialarbeiter, die mit ihren Kindern mal “etwas außer der Reihe” machen wollten. Und so konnten wir 1980 unseren bundesweiten Versandhandel starten und 1988 einen zweiten Laden in Düsseldorf eröffnen.

Zu allen Zeiten haben Familienunternehmen mit der ihnen eigenen, menschlich-familiären Struktur gut funktioniert. Alle Beteiligten wissen alles. Jeder muss jedem helfen. Der gemeinsame Nenner: Miteinander vertrauensvoll arbeiten. Heute, nach über 50 Jahren, sind wir immer noch ein Familienunternehmen und arbeiten immer noch nach dem Motto der 70er Jahren “Small is beautiful”. Unsere Arbeit, Ideen und Produkte zu entwickeln, die bei Kindern Kreativität, Phantasie, Spontanität und Neugierde wecken, macht uns immer noch Spaß, wie am ersten Tag.

Micha Labbé

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